WE ISRAEL

EINE PODCAST-SERIE VON NOAM BRUSILOVSKY UND OFER WALDMAN

HÖRSPIEL DES MONATS DER DEUTSCHEN AKADEMIE DER DARSTELLENDEN KÜNSTE

NOMINIERT FÜR HÖRSPIEL DES JAHRES 2018

ONLINE HÖREN

SWR 2

Staffel I

17.05.18, 22.03 UHR: Folgen I-IV (Ursendung)

24.05.18, 22.03 UHR: Folgen V-VII (Ursendung)

Staffel I

10.10.19, 22.03h - Folgen 1-4

17.10.19, 22.03h - Folgen 5-7

Staffel II

24.10.19, 22.03h - Folgen 1-4 (Ursendung)

31.10.19, 22.03h - Folgen 5-7 (Ursendung)

Deutschlandfunk

04.08.18​ (Staffel I)

1. Staffel (2018)

Zum 70. Jubiläum zur Gründung des israelischen Staats wird die deutsche Liebe für Israel (und Israelis) zum Thema eines Hörspiel-Serials: We Israel. Doch wer sind “we”, was ist das für eine Liebe, und welches Israel ist da gemeint: Die Antworten darauf geraten stets in Bewegung, und zwar auf beiden Seiten, der Liebenden wie auch der Geliebten. Ein Israeli im Jahr 2017/18, vom deutschen Blick getroffen, wirft stets multiple Schatten: jüdisch, fremd, anziehend, berauschend. Die deutsche Öffentlichkeit bedarf des greifbaren, fassbaren, spürbaren Juden, um sich ihrer Werte zu bestätigen. Dabei entsteht eine Vermengung, nicht zuletzt eine des Vergangenen durch das Gegenwärtige.

Israel und die Israelis scheinen von verschiedenen Gruppen in der deutschen Gesellschaft geliebt zu werden: seien es Pegida, die Antideutschen, gläubige Christen oder schwule Tel-Aviv-Fans. Dass der biblische Liebessatz dabei eine verstörende Verkehrung erlebt, wird selten angesprochen: Ich liebe mich selbst (als deutscher) wie ich meinen nächsten (Israeli) liebe. Oder umgekehrt. Wie wird wohl diese Liebe von israelischer Seite wahrgenommen, gar instrumentalisiert? Wo bleiben dabei die palästinensischen Protagonisten der israelischen Realität?

Eine Reise zweier Israelis im Auftrag des SWR versucht, sich diesen Fragen über ein Seriel von Sieben Episoden anzunähern: Diese erzählen von Berlin, wo die am schnellsten

wachsende israelische Gemeinde außerhalb Israels lebt, von deutsch-christlichen Touristen in Israel, deutschen Schwulen in Tel Aviv, von als israelisch getarnten palästinensischen Kochkursen in Berlin, von Israel unterstützenden Organisationen wie Pegida und “Antifa pro-Israel”, aber auch von muslimisch-deutschen wie israelisch-jüdischen BDS Aktivisten. Durch Gesprächspartner im On-Interview wird das Stimmenfundament gelegt, das sich zwischen angebrachter Seriosität und exponierter Absurdität bewegt. Darauf wird eine „scripted reality“ gelegt, in der fiktive deutsche und israelische Figuren von Schauspielern dargestellt werden. Diese fiktiven Figuren sind in der Lage, all das zu äußern, was man eigentlich nicht über die deutsch-israelische Beziehung sagen darf.

 

2. Staffel (2019)

Heutzutage muss man nicht nach Israel reisen, um einen deutschen Blick auf Israelis zu werfen: Es reicht doch sich mit dem Mikrofon durch die Straßen der deutschen Hauptstadt zu bewegen, wo immer mehr Israelis zu begegnen sind und Hebräisch immer öfters zu hören ist (allein in den letzten Jahren sind über 10,000 Israelis nach Berlin gezogen).

In der zweiten Staffel dieses Hörspielserials spüren die Autoren genau diesen Orten nach, an denen Deutsches und Israelisches aufeinanderprallen. Sie begleiten die Ankunft der neuen israelischen Einwohner*innen und schildern ihre erste Schritte in der deutschen Kultur - die Begegnung mit der deutschen Bürokratie, mit der deutschen Sprache, mit der lokalen Kunstszene und mit dem Berliner Nachtleben. Der umgekehrte Blick der Deutschen auf diese Neuankömmlinge ist durchaus von Phantasien geprägt und wird von den Autoren ebenfalls mitaufgefasst. 

Israel und Deutschland, Bühne und Zuschauerraum: In diesem Hörspiel-Serial kommen sowohl O-Töne als auch fiktive Figuren vor. Dabei gehen die Ebenen durcheinander. Was ist die „wirkliche Wirklichkeit“? - Ist es die, die im Originalton eingefangen oder die, die als „scripted reality“ fiktionalisiert wurde? Aber wer spricht hier als Schauspieler*in und wer im Original-Ton? Vielleicht ist der O-Ton simuliert und gespielt, die Spielszenen hingegen im dokumentarischen Sinne „echt“? Wer stellt wen auf die Bühne?

Regie: Noam Brusilovsky

Musik: Yair Elazar Glotman und Tobias Purfürst

Redaktion: Manfred Hess

SWR

Hörspiel des Monats Mai 2018 der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

In smarter Gestaltungsökonomie kommen die beiden in Israel geborenen Autoren Noam Brusilovsky und Ofer Waldman in „We love Israel“ umgehend zur Sache: Auf die Frage einer geschauspielerten Beamtin der Passkontrolle, warum sie nach Israel fliegen wollen, antworten echte deutsche Passiere, darunter ein Pfarrer und ein Generalleutnant der Bundeswehr a.D.,  im Originalton. Damit ist klar, dass in diesem Podcast-Serial die beiden Ebenen von Fiktionalem und Dokumentarischem intensiv  ineinander geblendet und nicht nur Staatsgrenzen reflektiert werden. Als HörerInnen sind wir bereits auf den nachfolgenden Dialog  im Regiestudio eingestimmt, wo ein Autor den anderen bittet, ‚podcast‘ zu definieren: „So eine moderne Online Geschichte, irgendwas zwischen Feature und Hörspiel. Komisches Wort, aber bitte, hier spreche ich also ein podcast.“  So spielerisch-offen wie diese Erläuterung ist auch die Form der Serie „We love Israel“, in der es aus Anlass des 70. Jahrestages des britischen Mandatsendes über Palästina und der Gründung des Staates Israel, um die zentrale Frage geht, wie sich die Liebe von Deutschen zu Israel und die von Israelis zu den Deutschen  darstellen kann. Da werden in sieben kurzen Folgen so schwergewichtige Themen wie Schuld und Sühne erfrischend respektlos und zugleich gedankenreich behandelt. In der zweiten Episode beispielweise steht die  Erinnerungskultur von Via Dolorosa und Yad Vashem im Fokus, und das Geschäft mit Tränen ist ein Aspekt dabei: „Ich wasche meine Hände in deutschen Tränen“, sagt ein Reiseführer, „alles vermischt sich, Opfertränen, Tätertränen … Danach gibt es einen freien Tag, shoppen und so.“  Am Schwulenstrand von Tel Aviv hingegen geht es urkomisch um Sprache (bedeutet der Name Feigele wirklich Vögelchen oder leitet er sich von fabulous oder faggot ab?) und die deutsche Sehnsucht nach dunkelhaarig und muskelbepackt statt  blond und schmal.

Unter rasanten Perspektivewechseln und  im Durcheinandergehen von Spiel- und Bedeutungsebenen wird klar, dass die ‚Liebe‘ zu Israel sehr unterschiedliche Formen annimmt. Und dass Liebe natürlich Kritik am repressiven Gebaren des Staates  einschließt. Zugleich gelingt es den Autoren sehr plastisch zu zeigen (und nicht bloß zu behaupten und zu beurteilen), wie Missbilligung mitunter in antisemitische Ressentiments umkippt, die sich als Israelkritik versucht, politisch zu maskieren. 

„We love Israel“ beweist, dass sich Hörspiel ohne zu moralisieren, auf mutige experimentelle und unterhaltsame Weise auf ein schwieriges Thema einlassen kann.