DER BLICK INS ICH

<p class="font_8">Der israelische Regisseur Noam Brusilovsky hatte das Gefühl, gar keine Wahl zu haben, als selbst auf die Bühne zu treten. Als er&nbsp;2015&nbsp;die Diagnose Hodenkrebs bekam, konnte er sich nicht vorstellen, jemals wieder an etwas anderes denken zu können. Zwar hatte er sich in seinem Studium an der Ernst Busch Hochschule oft schon mit seinem Jüdischsein beschäftigt, also auch etwas Persönlichem, "aber das sehen die Leute gern. Jüdischsein wird in Deutschland oft zelebriert, es ist exotisch. Auf Krebs hat niemand Lust." Nach der erfolgreichen Therapie entstand "Orchiektomie rechts", übersetzt: die Entfernung des rechten Hodens. Heraus kam, so beschreibt Brusilovsky es, ein leicht pornografischer Abend über Männlichkeit, bei dem er allein auf der Bühne steht. Zu unnatürlich hätte es sich angefühlt, sein Intimstes von einem anderen erzählen zu&nbsp;lassen.</p>

<p class="font_8">Christiane Lutz, Süddeutsche Zeitung</p>

DER BLICK INS ICH